Von der Schulbank bis in die bunte Welt des E-Commerce

Das VLG eröffnet seine Matinee-Reihe mit einem Vortrag von Henrik Steffen

Henrik Steffen

Das beste Abitur des Jahrgangs und ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes in der Tasche – das ist normalerweise der Grundstein einer erfolgreichen akademischen Karriere. Dass es auch anders kommen kann, zeigte der Vortrag des E-Commerce-Unternehmers Henrik Steffen, mit dem das Vincent-Lübeck-Gymnasium am 27.01.2013 seine ganzjährige Reihe „Matinee am VLG“ eröffnete.

Den Anstoß dazu erhielt Steffen, Abiturjahrgang 1998, jedoch gerade nicht am VLG. 1995/96 absolvierte er ein Austauschjahr in Schweden und lernte dort das Internet als Medium der Zukunft kennen. Nachem er schon in der 5. Klasse seinen C 64 zur Lösung von Rechenaufgaben programmiert hatte, nahm er das Angebot, das ihm die Schule in Karlshamn bot, begeistert an. Die nämlich war bereits seit 1994 vernetzt. So erlernte er die Websprache HTML, traf auf Gleichgesinnte und gründete zusammen mit einem polnischen Mitschüler eine erste Firma für Internetauftritte, für die er 1996 die Webseite der Stadt Karlshamn entwickelte. Um seinen Neigungen nachgehen zu können, erhielt er sogar einen Generalschlüssel für das Schulgebäude und konnte auf diese Weise zu jeder Zeit am PC und im Internet arbeiten.

Die Erfahrungen in Schweden hatten ihm einen entscheidenden Wissensvorsprung verschafft. Zusätzlich hatter er ein Startkapital verdient, um sich nach seiner Rückkehr nach Deutschland einen Heimarbeitsplatz einzurichten. Enttäuschend verlief dagegen die Rückkehr ans VLG, das damals nur mit acht völlig veralteten PCs ohne Netzanschluss ausgestattet war, die in einem Extra-Raum sorgsam vor dem Zugriff der Schüler verschlossen waren. Deutschland war nämlich noch Internet-Entwicklungsland. Immerhin traf er im VLG Markus Albrecht, der bereits eine Firma gegründet hatte, die sich im Wesentlichen mit computergestützter graphischer Gestaltung beschäftigte. Gemeinsam gründeten sie im März 1997 die Firma city-map, einen Provider für regionale Internet-Marktplätze. Sie wurde als Franchise-System ausgebaut. Wie weit die beiden ihrer Zeit voraus waren, belegte Steffen durch den Umstand, dass die Stadt Stade sein Angebot, ihr einen Internetauftritt zu entwicklen, ablehnte. Stades Online-Präsenz sollte noch bis zum Jahr 2000 auf sich warten lassen. Nebenbei berichtete er eindrucksvoll, wie seine Unternehmertätigkeit mit der Hausordnung des VLG kollidierte: Dringende Geschäftsanrufe während des Unterrichts bescherten ihm bisweilen Probleme. Und auch sonst sah er das Büro des Schulleiters gelegentlich von innen. Schließlich wollte Klaus Piller es dann aber doch einmal genauer wissen und ließ sich über die unternehmerische Tätigkeit seiner beiden Schüler bei einem gemeinsamen Mittagessen berichten. Für die Einladung in das Inselrestaurant revanchierten sich die beiden erfolgreichen Unternehmer nach dem Ende ihrer Schulzeit mit einer Gegeneinladung.

Mit der Trennung von city-map siedelte Steffens Firma top concepts GmbH nach Hamburg-Harburg über. Dort stellen zurzeit 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Internetseiten für den E-Commerce her, d.h. sie „bauen Online-Shops“. An zahlreichen, zum Teil renommierten und preisgekrönten Beispielen erläuterte er Möglichkeiten und Chancen seiner Branche und schilderte den Grad der Vernetzung, der dem Internetkunden gar nicht bewusst wird. So etwa, dass Kreditkartendaten dem Anbieter in der Regel gar nicht mitgeteilt werden, da sie direkt an einen Dienstleister übermittelt werden, der dann lediglich das Gelingen der Transaktion bestätigt. Auch Handy-Applikationen für Großhändler und die Gestaltung von Versandsoftware für die Großlager der Anbieter zählen zu den Angeboten von top concepts.

Dass so wenige Schülerinnen und Schüler der Vortragseinladung gefolgt waren bedauerte niemand mehr als der Referent selber. Denn er sucht händeringend motivierten Nachwuchs für sein Unternehmen, das in einer Branche mit jährlichen Wachstumsraten von 10% tätig ist – ein wesentlicher Grund, weshalb ihm sein Beruf auch nach über 15 Jahren noch Spaß macht.

(Dr. Johannes Heinßen)

One Response to Von der Schulbank bis in die bunte Welt des E-Commerce

  1. Tolle Geschichte. Leider darf (wegen den Erwartungen der Eltern und der Gesellschaft) nicht jeder so früh gründen. Manche müssen erstmal ihr Studium beenden und paar Jahre in einer grossen Firma arbeiten🙂

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